Arbeit sicher und fair machen

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19.05.2011 IG Metall kritisiert verschlechterte Arbeitsbedingungen

Die IG Metall Baden-Württemberg übt scharfe Kritik an der jüngsten Entwicklung von Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen und Gesundheitsschutz in den Betrieben. Während die Bilanzen der Unternehmen glänzten, würden viele Beschäftigte über ein Mehr an unsicheren Jobs, höheren Leistungsdruck und ausufernde Arbeitszeiten klagen, kritisierte IG Metall Bezirksleiter Jörg Hofmann heute auf einer Konferenz der Gewerkschaft in Pforzheim. Vor über 500 Teilnehmern sagte er: "Der Aufschwung kommt nicht in guter Arbeit bei den Menschen in den Betrieben an. Das ist das Gegenteil von Wertschätzung für die Arbeit der Menschen in den Unternehmen und ihre während der Krisenmonate gezeigte Flexibilität."

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Auch der Journalist Günter Wallraff prangerte die aktuelle Entwicklung an. "Würde ist ein Begriff, der in der Arbeitswelt eigentlich nicht mehr in Gebrauch ist. Vielleicht weil die Würde, von der dann die Rede sein müsste, noch nie so billig zu haben war. So billig wie ein zunehmendes Heer von Armutsbeschäftigten, die ihre Ware Arbeitskraft heute verkaufen muss, weil sie auf Teufel komm raus einen Job brauchen. Deshalb gibt es Würde heute zum Schleuderpreis, Mini-Job-Würde, 420-Euro-Würde, Ein-Euro-Job-Würde, Hungerlohn-Würde." Wallraff sieht dadurch zunehmend einen Keil, der in die Gesellschaft getrieben wird. "Durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse driftet unsere Gesellschaft immer mehr auseinander in eine verarmende und eine durch Steuergeschenke begünstigte Oberschicht. Die Klassengesellschaft entwickelt sich gleichzeitig hin zu einer Kastengesellschaft. Das ist eine Zerreißprobe für die Demokratie", so Wallraff. Um dem zu begegnen, müsse der Begriff der Solidarität wieder lebendig werden, der sonst drohe abhanden zu kommen. "Dazu brauchen wir starke Gewerkschaften und die aktive Mitgliedschaft jedes Einzelnen in seinem Arbeitsbereich."

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Neben dem Wildwuchs bei prekärer Beschäftigung zielte die Kritik der Gewerkschafter vor allem in Richtung Arbeitszeit, Leistungsbedingungen und Gesundheitsschutz. "Die Betriebe haben die Krise längst hinter sich gelassen. Aber der Aufschwung kommt nicht bei den Menschen an", beschreibt Bezirksleiter Hofmann die aktuelle Situation. Er kündigte gleichzeitig an, die IG Metall werde aktiv gegen diesen Trend vorgehen. Und er begründet die Ankündigung mit konkreten Erkenntnissen, die die Gewerkschaft in diesem Frühjahr im Rahmen einer Betriebsräteumfrage in über 900 Betrieben in Baden-Württemberg gewonnen hat. Demnach ist in mehr als einem Drittel der Betriebe ein permanenter Verfall von Arbeitszeit festzustellen. Rund 40 Prozent der Betriebe weiten vorhandene Schichtsysteme aus, was für die Beschäftigten häufig auch Samstags- und Sonntagsarbeit bedeute. "Das entspricht nicht dem Bild, das wir von guter Arbeit haben", so Hofmann.
Es sei also kein Wunder, so der Bezirksleiter weiter, wenn fast 70 Prozent der befragten Betriebe angeben würden, es gäbe wachsende Probleme zwischen Leistungsvorgaben und Personalbemessung. Doch wenn Betriebe einstellen, dann meist in Form von Leiharbeit und Befristungen. Auch die Zahl der Werkverträge steigt an. In 53 Prozent der Betriebe lässt sich sogar die Verdrängung von Stammarbeitsplätzen durch den Einsatz von Werkverträgen erkennen. Auch Auszubildende werden vom ausbildenden Betrieb nach erfolgreicher Lehre fast nur befristet übernommen (73 Prozent).

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Diese Entwicklungen bleiben nicht ohne Folgen für die Gesundheit. Steigender Zeitdruck, hohes Arbeitsvolumen und die damit verbundene fehlende Planbarkeit von Arbeitszeit spiegeln sich auch in einer Zunahme physischer und psychischer Erkrankungen.
"Wir werden alles daran setzen, dass Arbeit sicher und fair bleibt und wird. Deshalb werden wir die kommenden Monate nutzen, um geeignete Antworten gegen den Verfall von Arbeitszeit und für geeignete Modelle für die Gestaltung von Schichtarbeit und taktgebundenen Systemen zu finden. Dafür geben wir uns 18 Monate Zeit, um die Themen in die Betriebe zu tragen", kündigte Hofmann an. Im Oktober 2012 wolle man dann die Ergebnisse auf einer Folgekonferenz bewerten.

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Letzte Änderung: 19.05.2011