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Herausforderung: HP europaweit gestalten

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04.07.2012 Interview mit dem Vorsitzenden des Europäischen Betriebsrates bei HP, Udo Verzagt, zu den Möglichkeiten des EBR in der aktuellen Situation wirksam zu Gunsten der HP-Beschäftigten einzugreifen.

Langsam wird konkreter wie nach Vorstellungen der HP Konzernführung der geplante Abbau von 27.000 Stellen bis Herbst 2014 gestaltet werden soll. Rund 8.000 der 80.000 europäischen Stellen des HP Konzerns sollen nach Vorstellungen des Managements entfallen.

Wie dies geschehen soll und was dies für die Beschäftigten von HP in Deutschland bedeutet, ist aktuell noch völlig unklar. Betriebsräte und IG Metall treten für eine nachhaltige Unternehmensstrategie ein, die den Beschäftigten Sicherheit und Klarheit gibt und den Kunden Vertrauen in solide Prozesse ermöglicht.

Im Interview erläutert Udo Verzagt, der Vorsitzende des europäischen Betriebsrates von HP, welche Möglichkeiten der Mitbestimmung es für die HP Beschäftigten auf europäischer Ebene gibt.

+Zukunft@HP+: Udo, steigen wir direkt hoch ein. Was macht der europäische Betriebsrat?
+Udo Verzagt+: Der europäische Betriebsrat setzt sich für die Interessen und die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in Europa ein, sofern es Fragen betrifft, die mehr als ein Land berühren. Bei Hewlett-Packard mit seinem Hauptsitz in den USA ist dies in der Regel der Fall. Den lokalen Betriebsräten wird dann gesagt, dass die Entscheidungen "woanders" gefällt werden und es nichts mehr zu beeinflussen gäbe. Unter diesen Voraussetzungen gestaltet sich Mitbestimmung, wie sie in Deutschland und Österreich gelebt wird, zunehmend schwierig. Der europäische Betriebsrat ist ein Mittel um die Interessensvertretung näher an den Ort zu bringen, wo die Unternehmensentscheidungen gefällt werden.

+Zukunft@HP+: Wenn man den europäischen Betriebsrat mit einem Betriebsrat, wie er in Deutschland besteht, vergleicht. Welche Unterschiede fallen dann auf?
+Udo Verzagt+: Der Unterschied wird in Deutschland gerne so gesehen, dass der europäische Betriebsrat keine "echten" Mitbestimmungsrechte habe. Er könne also gar nicht verhandeln, sondern nur Informationen einholen. Ich schätze das anders ein und glaube, dass der Fehler im Denken vieler deutscher Betriebsräte darin liegt, dass sie sich nicht ausreichend mit dem französischen Modell auseinandergesetzt haben. Basierend auf diesem ist der europäische Betriebsrat nämlich aufgebaut.
Die Informations- und Konsultationsrechte des europäischen Betriebsrates sind so stark, dass sie den Arbeitgeber dann auch tatsächlich an den Verhandlungstisch bringen. Dies gilt gerade für US-Unternehmen wie Hewlett-Packard. Die amerikanische Börsenaufsicht möchte das offizielle Statement des EBR sehen, bevor sie Dinge umsetzen. Diese Stellungnahme nur dann abzugeben, wenn wirklich alle Informationen, die benötigt werden, auf dem Tisch liegen, stärkt unsere Position.

+Zukunft@HP+: Die Geschäftsleitung kann euch also nur sehr schwer Informationen vorenthalten. Was macht ihr als EBR dann mit diesem Wissen?
+Udo Verzagt+: Zum einen verarbeiten wir diese Informationen in unseren Arbeitskreisen, die es zu sehr vielen Themen gibt. Diese Arbeitskreise haben wir eingerichtet, um immer Expertinnen und Experten zu den jeweiligen Themen zu haben. Wenn die nicht mehr weiterwissen holen wir uns externen Sachverstand. Dieses Recht auf externen Sachverstand wird allerdings gerade von HP bestritten. Zum zweiten geben wir die Informationen an die Betriebsräte und Gewerkschaften weiter. Das entspricht dem schon angesprochenen französischen Modell: Wir besorgen die Informationen und die Gewerkschaften führen die Verhandlungen. Diese Funktion ist eher vergleichbar mit den Aufgaben des Wirtschaftausschusses in Deutschland. Ein europäischer Betriebsrat kann nur so gut sein, wie seine Verbindungen zu den lokalen Interessensvertretungen.

+Zukunft@HP+: Ist diese Arbeitsweise etwas Besonderes?
+Udo Verzagt+: Das sie etwas Besonderes ist im Vergleich zu anderen EBR wäre wohl übertrieben. Aber wie bereits gesagt, nutzen nicht alle EBR ihr Informationsrecht so wie wir. Wir wollen konkrete Lösungen erarbeiten und Empfehlungen an die Gewerkschaften und Betriebsräte abgeben. Deswegen wollen wir nicht nur die Informationen haben, die uns die Geschäftsführung anbietet, wir wollen auch, dass sie uns alle unsere Fragen beantwortet. Vorher können wir uns keine Meinung zu den Plänen des Managements bilden und keine Empfehlung abgeben.

+Zukunft@HP+: Wie arbeitet ihr konkret zusammen als EBR? Und von wo aus arbeitest du?
+Udo Verzagt+: Ich arbeite von Rüsselsheim aus und stehe im ständigen Mail- und Telefonkontakt mit den Kolleginnen und Kollegen des EBR, aber ich bin auch im Konzernbetriebsrat von Hewlett-Packard in Deutschland und weiteren Gremien der Interessenvertretung von HP, so dass ich immer an alle Informationen komme. Die einzelnen Länder schicken einen Monat vor unseren halbjährlichen ordentlichen Treffen mit dem Management Countryreports an uns, in denen sie uns über ihre Themen informieren.

+Zukunft@HP+: Und was sind die großen Themen gewesen? Was kommt auf euch zu?
+Udo Verzagt+: Da sind immer zwei Themen vorne dabei: Erstens der Personalabbau, bedingt durch die interne Automatisierung, Standardisierung und das Offshoring; zweitens die Gehaltsentwicklung, die bei HP europaweit den Tarifverträgen hinterher hinkt.
Aktuell steht eine große Umstrukturierung auf dem Programm. Die Druckersparte soll mit der PC-Sparte zusammengelegt werden und es ist davon auszugehen, dass die Streichung von 27.000 Stellen nicht ohne Auswirkungen auf die Beschäftigten von Statten gehen wird. Dazu haben wir aber noch keine ausreichenden Informationen. Ohne Informationen über die Auswirkungen auf die Beschäftigten ist der Informationsprozess aber nicht vollständig. Das werden wir bedenken, wenn wir eine Empfehlung geben sollen. Dazu kommt, dass wir gerichtlich klären lassen wollen, ob HP uns externen Sachverstand verweigern kann.

+Zukunft@HP+: Das klingt nach einem konfliktreichen Sommer.
+Udo Verzagt+: So ist das in der Interessenvertretung.

Letzte Änderung: 04.07.2012

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