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IG Metall Stuttgart

IG Metall Verwaltungsstelle Stuttgart

IG Metall

Eine neue Arbeitszeitkultur

Die Arbeitszeitkampagne der IG Metall: Mein Leben - Meine Zeit

28.06.2016 Mit der Kampagne "Mein Leben - meine Zeit: Arbeit neu denken!" packt die IG Metall das Thema Arbeitszeit an.

Die Debatte um die Arbeitszeit ist so aktuell wie lange nicht. Früher gab es klare Grenzen, heutzutage hat Arbeitszeit ihre Konturen verloren. Sie ist zerstückelt, flexibilisiert und intensiviert worden.

Die Beschäftigten wünschen sich gute Arbeit und planbare Arbeitszeiten, die sich nach ihren eigenen Bedürfnissen richten. Dem steht der Wunsch der Unternehmen nach mehr Flexibilität gegenüber. Die unternehmerischen Forderungen nach flexibler Arbeitszeit gehen häufig einher mit kurzfristigen Änderungen, einer häufigen Ausdehnung der Arbeitszeit und permanenter Erreichbarkeit. Tatsächlich erleben viele Beschäftigte den Zugriff des Arbeitgebers auf ihre Arbeits- und Lebenszeit umfassend.

Die Arbeitszeitkultur von morgen muss gerecht sein, muss den Beschäftigten mehr Selbstbestimmung geben, darf die Gesundheit nicht beeinträchtigen und muss Sicherheit bieten.

Mehr Gerechtigkeit

Betriebliche Regelungen sind gut, doch allzu oft versagen sie. Gerade bei der Arbeitszeit. Ab einer bestimmten Höhe wird geleistete Arbeitszeit in der Praxis oft nicht mehr vergütet. Das will die IG Metall ändern. Geleistete Arbeitszeit muss erfasst und vergütet werden und sie muss allen die gleichen Teilhabechancen gewähren. Ausufernde Arbeitszeiten müssen eingedämmt werden. Beim heutigen Leistungsdruck bleibt vielen Arbeitnehmern keine Zeit, die angesammelten Stunden abzufeiern. Geleistete Arbeitszeit verfällt nicht selten unbezahlt. Grundsätzlich gilt: Für jede geleistete Arbeitsstunde, muss es eine Gegenleistung geben, am besten in Freizeit.

Mehr Selbstbestimmung

Zur Arbeitswelt von morgen gehört mehr Selbstbestimmung für die Beschäftigten. Beschäftigte brauchen mehr Freiräume und sie müssen ihre Arbeitszeit entsprechend der eigenen Bedürfnisse mitgestalten können. Auch die Rollenbilder ändern sich. Frauen wollen nicht mehr alleine für Familie und Haushalt zuständig sein, Männer wollen Familie und Partnerschaft nicht mehr dem Job unterordnen. Beide wollen gutes Geld im Job verdienen, aber zugleich bei ihren Bedürfnisse nach einem erfüllten Leben nicht zurückstecken. Zudem muss es selbstverständlich werden, im Alter einen Gang herunter zu schalten. Für eine bessere Vereinbarkeit sind lebensphasenorientierte Arbeitszeiten notwendig. Dazu gehört auch bei Teilzeit ein individuelles Rückkehrrecht auf eine Vollzeitstelle.

Mehr Gesundheit

Unternehmen versuchen, die Arbeitszeiten an die Schwankungen der Märkte anzupassen. In der Folge weichen die realen Arbeitszeiten oft nach oben hin von den tariflichen Normen ab. Steigende Leistungsanforderungen, die Gesundheit und Wohlbefinden beeinträchtigen, und zu niedrige Personalkapazitäten sind vielfach die Gründe für das Ausufern der Arbeitszeit. Notwendig sind Pausen und Erholungszeiten, damit Gesundheitsbelastungen ausgeglichen werden können. Zudem ist eine ausreichende Personalbesetzung notwendig. Mobiles Arbeiten und Schichtarbeit müssen gesundheitsschonend reguliert werden, damit die Arbeit nicht zum Stressfaktor wird.

Mehr Sicherheit

Die Arbeitswelt ändert sich - auch durch Digitalisierung und Industrie 4.0. Notwendig ist mehr Zeit für Weiterbildung. Das sichert die berufliche Entwicklung und den Arbeitsplatz. Die Unternehmen fordern mehr Flexibilität. Die Beschäftigten sagen ja zu Flexibilität, doch diese Anforderung darf nicht zu Lasten der Arbeitnehmer gehen. Notwendig sind Spielregeln, die die Interessen der Beschäftigten angemessen berücksichtigen und ihnen eine bessere Planbarkeit und Beeinflussbarkeit der Arbeitszeit ermöglichen. Wenn die "Zeit-Begehrlichkeiten" der Unternehmen ausufern, müssen Grenzen gesetzt werden. Die IG Metall will einen verlässlichen Rahmen schaffen, der die Zeitbedürfnisse jedes Beschäftigten berücksichtigt.

Betriebs- und tarifpolitische Bausteine

Die Alters- und die Bildungsteilzeit sind Bausteine, die die IG Metall bereits auf den Weg gebracht hat. Beides wurde in der Tarifrunde 2015 mit den Arbeitgebern vereinbart und stellt einen Erfolg für die Mitglieder der IG Metall dar. Denn die Altersteilzeit bietet Möglichkeiten für einen flexibleren Altersübergang und mit der Bildungsteilzeit können sich Beschäftigte für Qualifizierung freistellen lassen.

Große Zustimmung bekamen auch die Betriebsvereinbarungen zur Mobilarbeit und zur ständigen Erreichbarkeit in einigen Unternehmen. Damit ist es gelungen, schon jetzt auf den Wandel in den Unternehmen einzugehen und die Bedingungen der Beschäftigten zukunftsgerecht zu gestalten und Sicherheit zu geben. Den betrieblichen Interessenvertretern kommt gerade bei der Arbeitszeit eine wichtige Funktion zu. Sie sind es, die die Arbeitszeit im Detail mitgestalten und dies auch Tag für Tag tun. Sie schreiten ein, damit geleistete Arbeitszeit nicht verfällt. Sie haben die Möglichkeiten Arbeit auf Abruf zu verhindern oder wenigstens einzuschränken. Sie können Arbeitszeitregelungen mit den Themen Leistungsbedingungen und Personalbesetzung verknüpfen und so Verbesserungen durchsetzen. Auch auf die Gestaltung von Schichtsystemen nehmen sie Einfluss.

48 Stunden in der Woche - das ist der Zeitrahmen, den der Gesetzgeber vorgibt. Nach dem Tarifvertrag gilt eine 35-Stunden-Woche. Diese Arbeitszeitverkürzung konnte in den 80er Jahren durch einen 6-wöchigen Arbeitskampf erstritten werden. In den Betrieben gestalten unsere Betriebsräte und Vertrauensleute Tag für Tag ebenfalls die Arbeitszeit. Vieles hat sich vor allem deshalb verbessert, weil die IG Metall mit Tarifverträgen und in den Betrieben deutliche Verbesserungen für die Beschäftigten erstritten hat. Mit ihrer "neuen Arbeitszeitpolitik" greift die IG Metall jetzt wieder die Forderungen ihrer Mitglieder nach einer modernen Arbeitszeit auf.

Letzte Änderung: 28.06.2016

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